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4 Milliarden Vermögen beim Bistum Paderborn: Wo sind die angelegt?

Einige Erzbistümer veröffentlichen ihre Bilanzen – u.a. das Erzbistum Paderborn mit rund 4 Milliarden Bilanzsumme. Und  sogleich schnellen die Schlagzeilen durch die Presse. „Das wahrscheinlich reichste Bistum der Welt“ titelt das Handelsblatt. „Reich, noch reicher – Paderborn“ legt Spiegel online nach.

Weniger als die Summe des Vermögens interessieren mich jedoch die Art und Weise der Anlagen. Doch da bleiben die erschienenen Artikel eher oberflächlich und wiederkäuen träge die vorgegebenen Zahlen des Bistums.

Paderborn weist für 2014 eine Bilanzsumme von 4 Milliarden Euro aus.

Ein Blick auf die Aktiva schlüsselt die Anlagen auf. Rund 300 Millionen in Immobilien bzw. Liegenschaften. Rund 3.6 Milliarden Euro sind Finanzanlagen, darunter 2.7 Milliarden Euro in Festverzinslichen Wertpapieren, 570 Millionen Euro in Aktien und 350 Millionen Euro sonstige Anlagen.

Aber wo genau sind diese immensen Mengen Geld angelegt? Was schaffen und ermöglichen sie? Während die kleineren Posten der Sachanlagen wie auch die Beteiligungen des Bistums an juristischen Personen explizit aufgeführt werden, bleiben die Auskünfte bei den rund 3.6 Milliarden Euro Finanzanlagen sehr, sehr vage (siehe Erläuterungen zur Bilanz des Bistums Paderborn).

Rendite oder Auftrag – worum geht’s?

Ich weise mit dem Finger auf diesen Bereich, weil es hier immerhin um den bei weitem grössten Anlageteil geht und weil bereits in den ersten beiden Sätzen der Erläuterungen zu den Wertpapieren die Anlagestrategie des Bistums deutlich wird. Und an diese Strategie habe ich große Fragezeichen!

„Unter den Wertpapieren des Anlagevermögens sind die wesentlichen Kapitalanlagen erfasst, mit denen das Erzbistum die langfristigen Verpflichtungen deckt. Oberstes Ziel ist es, diese Verpflichtungen zu erfüllen und das Vermögen zu erhalten.

Anlagen erfolgen vor allem in festverzinslichen Wertpapieren hoher und höchster Bonität sowie in Aktien und Immobilien, um daraus Zins-, Dividenden- und Mieteinnahmen zu erzielen.“

Die Fragezeichen sehen so aus: welchen Auftrag hat die Kirche? Spiegelt sich der Auftrag nur in der Verwendung der Zins-, Dividenden und Mieteinnahmen? Oder ist die Anlagestrategie bereits Erfüllung des Auftrages?

Konkret heißt das: lege ich das Geld z.B. in regionalen, sozial tätigen, nachhaltigen, im Sinne des Bistums christlichen Unternehmen an, auch auf die Gefahr hin dass die Rendite geringer ausfällt oder das Risiko grösser ist oder orientiere ich mich primär an Renditeaussichten.

Alle gemeinnützigen Stiftungen haben hier Hausaufgaben zu machen und müssen ihre Anlagestrategie unter dem Blickwinkel des Stiftungszweckes und Stifterwillens hinterfragen.

Was hier auch mitschwingt: ist Kapital- bzw. Vermögenserhaltung noch zeitgemäß? Oder muss Kapital, gerade auch so großes Volumen nicht irgendwann mal den Kreislauf von Zins- und Zinseszins verlassen und vernichtet werden[i] bzw. in Projekte von Menschen für Menschen, Umwelt, etc. fließen.

Für mich ist klar: für Kirchen muss die oberste Prämisse in der Anlagenstrategie sein, mit der Anlage selbst ihren Auftrag zu erfüllen und das heißt bei den Menschen und ihren Nöten, Sorgen, Fragen und ihrem Ringen im Glauben zu sein.

Rendite und Zinserwartungen gehören zu jeder Anlagefrage, aber sind zweitrangig zu behandeln.

Rendite- oder Zweckorientierung und #MissionInvesting

Die Diskussion ist heiß und bewegt u.a. die Stiftungslandschaft. Mission Investing ist das Schlagwort und hat den Bundesverband Deutscher Stiftungen zu einer Publikation zum Thema bewegt.

Gelungen finde ich folgende Grafik von ppcmetrics die in der Zeitschrift „Die Stiftung“ erschienen ist.

Quelle: ppcmetrics
Quelle: ppcmetrics

Noch einmal der Blick in die Erläuterungen zur Bilanz des Bistums. Die positiven Formulierungen im Sinne einer Zweckerfüllung will ich nicht auslassen. Dort wird eine Anlage auf „Grundlage einer ethisch nachhaltigen Werteorientierung“ anvisiert. Diese stellt „Anforderungen an Umweltaspekte, soziale Kriterien und gute Unternehmensführung“. „Maßgeblich sind ebenso die Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards und die Vermeidung von Korruption.“

So geht es noch einige Zeit weiter. In der Geste und Ausrichtung bleibt es vage. Konkret wird es bei den Ausschlusskriterien von Geschäftsfeldern : „Verhütung und Abtreibung, Rüstung und Kernenergie, Tabak, alkoholische Getränke und Pornografie aus.“

Wie auch immer. Schon weiter oben wird deutlich, dass das Bistum die Anlage seines Kapitals an ganz klar primär an Renditeerwartungen ausrichtet. In meinen Augen müsste die Anlagepolitik in den Mittelpunkt die Zweckerfüllung setzen und zwar ebenso deutlich.

Wie denkt ihr dazu?

[i] Und damit will ich gar nicht auf eine schrumpfende Kirche anspielen, die sich angesichts solch enormer Vermögenswerte die Frage gefallen lassen muss, inwiefern sie Kirche von Gläubigen oder Vermögensverwalter ist.

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